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Paläontologie: Forschende entdecken neuen Langhalssaurier in Patagonien

16.04.2026

Der neu entdeckte Saurier Bicharracosaurus dionidei lebte vor ungefähr 155 Millionen Jahren in der oberen Jurazeit Argentiniens.

Bicharracosaurus-Wirbel bei der Präparation im Museo Paleontológico Egidio Feruglio in Trelew, Argentinien.

Bicharracosaurus-Wirbel bei der Präparation im Museo Paleontológico Egidio Feruglio in Trelew, Argentinien. | © Amalia Villafañe

Ein deutsch-argentinisches Paläontologen-Team um den Dinosaurierexperten Oliver Rauhut, Professor am Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU und Oberkonservator and der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie, hat einen neuen Langhalssaurier entdeckt: Bicharracosaurus dionidei lebte in der oberen Jurazeit Argentiniens, vor ungefähr 155 Millionen Jahren.

Langhals-Funde aus dem Jura der Südhalbkugel der Erde sind selten, das neue Fossil trägt daher zum besseren Verständnis der Evolution dieser riesigen Pflanzenfresser auf den südlichen Kontinenten bei. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden nun in der Fachzeitschrift PeerJ.

Mit ihren massigen Körpern, langen Hälsen und Schwänzen und winzigen Köpfen entsprechen Langhalssaurier (Sauropoden) für viele Menschen dem Bild des typischen Dinosauriers. Zu den Sauropoden gehören die größten bekannten Landtiere überhaupt, mit einer Körperlänge von bis zu 40 Metern, bekannteste Vertreter sind Diplodocus oder Brachiosaurus.

Der neue Langhals-Dinosaurier aus dem südlichen Argentinien ist nicht ganz so groß: Die Forschenden schätzen die Länge des Bicharracosaurus dionidei auf rund 20 Meter. Geborgen wurden Teile seiner Wirbelsäule, mit über 30 Hals-, Rücken- und Schwanzwirbeln, mehrere Rippen sowie ein Bruchstück des Beckenknochens. Die Struktur der Knochen zeigt, dass die Überreste zu einem erwachsenen Tier gehören, welches vor rund 155 Millionen Jahren auf dem südlichen Kontinent Gondwana lebte.

Das Fossil ist in vielerlei Hinsicht für die Forschenden interessant: Es vereint einen Mix an Merkmalen, nämlich aus Brachiosauriden und Diplodociden. So zeigen einige Skelettteile von Bicharracosaurus Ähnlichkeiten mit dem afrikanischen Giraffatitan, einem Brachiosauriden aus Tansania. Andere Merkmale, insbesondere an seinen Rückenwirbeln, ähneln dagegen Diplodocus und seinen nächsten Verwandten aus Nordamerika.

„Unsere stammesgeschichtlichen Analysen des Skeletts weisen darauf hin, dass Bicharracosaurus dionidei verwandt war mit den Brachiosauriden – das wären die ersten Brachiosauriden aus dem Jura Südamerikas“, sagt LMU-Doktorandin Alexandra Reutter, Erstautorin der Studie. Die Paläontologin analysierte die Überreste des neuen Sauriers im Rahmen ihrer Doktorarbeit.

„Unser Wissen über die Evolution der Sauropoden der oberen Jurazeit beruht bisher ganz überwiegend auf vielen Fossilfunden aus Nordamerika und anderen Fundstellen auf der nördlichen Halbkugel. Auf den südlichen Kontinenten gab es lange Zeit nur eine einzige bedeutende Fundstelle in Tansania. Die Fossilfundstelle in der argentinischen Provinz Chubut, aus der Bicharracosaurus dionidei stammt, liefert uns wichtiges Vergleichsmaterial, damit wir unser Bild von der Entwicklungsgeschichte dieser Tiere insbesondere auf der Südhalbkugel laufend ergänzen und neu bewerten können“, sagt Studienleiter und Saurierexperte Oliver Rauhut.

Die ersten Überreste von Bicharracosaurus dionidei entdeckte der Schafhirte Dionide Mesa auf seiner Farm – ihm zu Ehren wählten die Forschenden den Artnamen des neuen Dinosauriers. Der Gattungsname leitet sich ab von „bicharraco“, was im Spanischen umgangssprachlich „großes Tier“ bedeutet. Das Fossil stammt aus der Cañadón-Calcáreo-Gesteinsformation in der patagonischen Provinz Chubut, es wird aufbewahrt im Museo Paleontológico Egidio Feruglio in Trelew, Argentinien.

Reutter A, Carballido JL, Windholz GJ, Pol D, Rauhut OWM.: Bicharracosaurus dionidei, gen. et sp. nov., a new macronarian (Dinosauria, Sauropoda) from the Late Jurassic Cañadón Calcáreo Formation of Argentina and the problematic early evolution of macronarians. PeerJ 2026

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